Das Internet-Manifest

von kanalnull

Eine Gruppe von Journalisten (darunter einige deutsche Web-Celebrities, wie die „üblichen Verdächtigen“ Sascha Lobo, Johnny Haeusler, Markus Beckedahl, Mercedes Bunz, Stefan Niggemeier) veröffentlichten kürzlich ein Internet-Manifest, mit dem Untertitel: „Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen“.

Das Netz überschwemmt gerade mit Meinungen dazu. Allein auf der Manifest-Seite finden sich aktuell 269 Kommentare. Ein paar davon will ich hier mal auszugsweise Sammeln.

Julia Seeliger (Journalistin und ehemals nicht mehr aktives Grünen-Mitglied):

Bitte redet über Geld!

[…]

Da habt ihr keine Antwort als nur eine neoliberale: Die unsichtbare Hand der Werbung soll es regeln. Wer Content produziert, soll sich ebenein neues, kreatives Geschäftsmodell überlegen – oder im Wettbewerb sterben. Das Urheberrecht wird irgendwie zur „Bürgerpflicht“ – übrigens ein interessanter Gedanke – es wird aber nicht gesagt, wie es durchgesetzt werden soll.

Im Medienradio erleutert sie ihren Standpunkt nochmal. Auch Manifest-Mitautor Markus Beckedahl kommt zum Ende hin zu Wort.

Felix Schwenzel (der Journalist mit dem kackenden Hund) nimmt sich auf wirres.de die Thesen einzeln vor. Auszug:

behauptung #5: „Das Internet ist der Sieg der Information.“

information muss immer be-, ver- und aufgearbeitet werden. ob das durch medienhäuser, journalisten, forscher, blogger, technik, „nachrichtenfilter“ oder sonstwen oder sonstwas geschieht ist nicht entscheidend. entscheidend ist, dass sich ausser der quantität nichts geändert hat. es gibt mehr (frei verfügbare) information, ja. nur ist das kein sieg der information, sondern eine vermehrung der information. dass man diese informationen jetzt technisch besser als jemals zuvor aufarbeiten, ordnen oder finden kann ist ein fortschritt, keine frage, aber analysieren oder bewerten kann sich information immer noch nicht selbst. selbst das beste google-suchergebniss bedarf noch einer interpretation und analyse. oder anders gesagt, die tatsache, dass es auf einmal irre viele statistiken gibt, heisst noch lange nicht, dass es plötzlich mehr richtig interpretierte statistiken gäbe. viel information macht nicht unbedingt klüger, aber definitiv mehr arbeit.

Viva-Urkrebs, Weltretter und Chef-Sympath Nilzenburger:

Das Internet ist keine homogene Masse und soll es bitte auch nicht werden. Auch wenn ich Rassisten-Dreck wie PI oder Panikmache a la Broder aus tiestem Herzen verachte und im ersten Moment reflexartig denke, das so etwas nicht erscheinen sollte, da es Menschen die eher schlichten Gemüts sind, auf die falsche Spur bringen könnte, finde ich es ebenso wichtig, das es existiert und dazu nützt, die “Gegenseite” aus der Deckung zu holen und zu lesen, warum die eigentlich so schräg denken, wie sie es nuneinmal tun. Ganz davon abgesehen das eine Demokratie das meiner Meinung nach sowieso aushalten muss.

Benji Lanyado (Journalist vom Guardian) hat das Intenet-Manifest mal etwas zusammengefasst (via Felix Schwenzel, wirres.net):

1) The internet is different to newspapers. Deal with it.
2) You don’t have to be Billy Big Paper to do journalism any more, anyone can do it.
3) Billy Big Paper should get into Facebook and stuff. The kids love it.
4) Note to Russia and China: Enough blocking the internet already.
5) There is loads of stuff on the internet.
6) On the internet you can change stuff after you’ve written it. Which is great.
7) Link to stuff, it’s really good when you do that.
8) Same as above. And by the way, Google is God.
9) There are lots of people on the internet. Talk to them.
10) See rule 2)
11) Quantity is an excellent thing. Make lots of things and put them on the internet.
12) Your old business model is rubbish. Change it.
13) Don’t charge for content.
14) See rule 12)
15) Don’t delete things.
16) Quality is king. Forget what we said in 11)
17) A good journalist listens as well as talks, despite the fact that no crowdsourcing was involved during the making of this declaration.
18) Dum de dum de daa bla bla antidisestablishmentarianism bla bla and so on and so forth la la la.
[Oops, I added one at the end.]

Stefan Niggemeier reagiert auf Reaktionen:

Das „Internet-Manifest” soll nicht das Ende der Debatte sein, sondern ihr Anfang.

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